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Was ich in den letzten Monaten gelernt habe: Über Entscheidungen und Selbstzweifel

Im Dezember 2021 haben mein Freund und ich ein altes Haus gekauft. Ich war darauf vorbereitet, dass die Sanierung dieses Hauses einiges an Kraft und Zeit kosten würde und auch, dass ich vieles in dem Prozess lernen würde. Aber ich war ehrlich gesagt nicht darauf vorbereitet, was ich über mich und das Leben lernen würde.

Auf der ersten Seite eines meiner Lieblingsbücher steht ein Zitat des berühmten Dichters Rudi, das mich seit Jahren begleitet

“Out beyond ideas of wrongdoing and rightdoing there is a field. I’ll meet you there.”

Ich finde es wunderschön und berührend, vielleicht gerade deshalb, weil ich selbst oft in Kategorien von Richtig oder Falsch, Gut oder Schlecht, Schwarz oder Weiß denke.

In den letzten Monaten durfte ich lernen, dass es oft nicht die richtige Entscheidung gibt, sondern nur die Entscheidung, die in diesem Moment richtig, gut und wichtig für mich ist.

Das war eine Erkenntnis, die ich ziemlich lange verdrängt habe. Ich mag mein Bauchgefühl. Ich mag es intuitiv zu leben und in mich reinzuspüren, was sich richtig und gut anfühlt. Durch die Haussanierung, mein PhD-Studium, all die anderen Projekte und den ganz normalen Alltag ist mein Leben seit Monaten sehr vollgepackt. Gefühlt bin ich zu oft dabei mich vor mir selbst und anderen dafür zu rechtfertigen, dass meine Zeit gerade sehr knapp ist. Zu oft sitze ich da und möchte mich am liebsten zweiteilen, weil ich wieder vor einer Entscheidung stehe, bei der am Ende jemand oder etwas zu kurz kommen wird. 

Ich wünschte, alles wäre möglich und am liebsten zur gleichen Zeit. Aber ich habe in den letzten Monaten oft zu spüren bekommen, dass das nicht geht. Oft gab es Termine für unser Haus, bei denen wir anwesend sein mussten und deshalb fanden die Familienfeier, die Hochzeit oder andere Events ohne uns statt. Und ganz ehrlich? Das war echt schwer. Lieben Menschen abzusagen und Enttäuschung zu spüren. Das war emotional oft ziemlich hart und stürzte mich häufig in sehr viele nagende Selbstzweifel. 

Ich bin generell ein Mensch, der sich sehr viele Gedanken darüber macht, wie es anderen geht und ob ich in den Augen anderer richtig bin, wie ich bin.

Das Spannende ist, dass ich genau durch solche Erfahrungen so viel gelernt habe. Wenn die zeitlichen, körperlichen und auch mentalen Ressourcen und Kräfte knapp sind, ist man gezwungen sich ganz genau zu überlegen, wem und was man Zeit schenkt. Ich musste lernen, für mich einzustehen. Entscheidungen zu treffen, weil sie für mich richtig sind und nicht, weil sie andere zufriedenstellen würden. Ich durfte lernen, dass andere nie einen vollständigen Blick auf mein Leben haben und ich im Außen nicht immer auf Verständnis und Unterstützung stoßen werde. Und ich durfte lernen, dass es mich letzten Endes nicht glücklich macht, wenn ich immer nur versuche, es allen Recht zu machen. 

Das klingt so banal, aber ich habe mein Leben lang so sehr nach Harmonie gestrebt, dass diese Gedanken so vieles für mich verändert und auf den Kopf gestellt haben.

Ich möchte in diesem Beitrag keinen Leitfaden mit euch teilen, denn ich bin selbst mitten am Weg und lerne so vieles dazu. Aber ich möchte gerne diesen kleinen persönlichen Einblick mit euch teilen und euch folgendes mitgeben, das ich mir auch in mein Herz schreibe:

Spür in dich rein und fühle, was für DICH richtig ist.

Du musst nicht alles irgendwie schaffen. Du musst nicht immer bis ans Limit gehen, um auch mal Nein sagen zu können. Du kannst hier und jetzt in diesem Moment zur Ruhe kommen und dich auf deine Bedürfnisse besinnen. Deine mentale und körperliche Gesundheit ist das Kostbarste, das du hast. Pass darauf auf. Achte diese Schätze. Du wirst es niemals allen Recht machen können und manchmal wirst du dich vielleicht auch selbst enttäuschen. Das ist okay. Du musst nicht alles perfekt meistern, um liebenswert zu sein. Du bist alles, genau jetzt in diesem Moment. Du darfst scheitern und du darfst heilen. Du darfst voller Inspiration und Motivation einen Weg beschreiten und dann doch wieder umkehren oder einfach stehenbleiben. Es ist dein Leben. Spür in dich rein, ob es dein Weg ist. Deine Schuhe, dein Tempo. Und wenn es sich ganz nach DIR anfühlt, dann geh mutig diesen Weg und vertraue auf dein Gefühl. Dein Leben ist deine Leinwand und du kannst dir die buntesten und verrücktesten Farben dafür aussuchen, die du möchtest. Du darfst dich groß machen, strahlen. Du darfst dir selbst erlauben, ALLES zu sein. Aus vollem Herzen und erfüllt zu leben. Du darfst aufhören, auf irgendetwas zu warten, dass dir endlich die Erlaubnis gibt, dieses Leben nach deinen Vorstellungen zu gestalten und dein Herz heilen zu lassen. Hier und Jetzt bist du vollständig und darfst dich fallenlassen. Genau so, wie du bist, bist du wertvoll und genug. Und es ist so schön, dass du hier bist.